Presseartikel

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Datum |
Artikel |
Veranstalter |
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21.04.2004 |
Barbara Macherius & Tatjana Bulava „Wechselweise” |
Scena Burgdorf |
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03.03.2002 |
Auf der Suche nach Sinn |
Scena Burgdorf |
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18.11.2001 |
Ralf Harner „Orientierungsversuche zwischen Reykjavik
und Wladiwostok“ Hat der Dichter eine Heimat? |
Scena Burgdorf |
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19.08.2001 |
Christine
Kappe & Corinna Eikmeier: „Begegnungen mit Helena“ Absurde Begegnung mit Helena |
Scena Burgdorf |
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04.03.2001 |
Souverän und charmant mit einem
ernsthaften Lachen |
Scena Burgdorf |
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16.07.2000 |
Csilla
Szylagyi „die Zeit atmet” Die Tiefen der menschlichen Existenz |
Scena Burgdorf |
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14.05.2000 |
Elias O. Dunu „naked landskape“ Afrikanische Lyrik und mehr |
Scena Burgdorf |
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26.03.2000 |
„Mythenmix“ |
Scena Burgdorf |
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Handlung folgt dem Beziehungsreichtum
der Worte |
Scena Burgdorf |
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28.04.1999 |
Ein Wort-Klang-Erlebnis auf höchstem
Niveau |
Kontext Hildesheim |
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13.02.1999 |
Junge Autoren
lesen im Alelier Klaffke Gedichte und Prosa über das Warten und
den Zahnarzt |
Andreas Klaffke Burgdorf |
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19.11.1998 |
Schrifttypen
life I „Auf ein Wort“ Mit Spannung zur Kommunikation |
Kontext Hildesheim |
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Text
aus: Hildesheimer Allgemeine Zeitung 22.11.1998
HILDESHEIM. Vielseitig und kreativ präsentierten
sich fünf junge „Schrift-Typen“ live im Spanier. „Auf ein Wort“ hatte die neue
Literatur-Initiative „Kontext“ eingeladen. Und daß es nicht bei einem Wort
bleiben würde, zeigte sich bereits in den ersten Minuten. In clubartiger
Atmosphäre im kleinen Hinterzimmer der Gaststätte „Spanier“ bot sich dem
dichtgedrängt sitzenden Publikum ein vielfältiges Programm.
Als
erster Autor stellte sich der Hannoveraner Mirco Buchwitz vor, der begleitet
von sphärischer Musik ein düsteres Prosagedicht darbot Beeindruckend war dabei
seine freie Vortragsweise und deren Verbindung mit Elementen der Performance.
Der Autor und Verleger ZaunköniG aus Burgdorf gab einige seiner Gedichte zum
besten. Er trug sie zurückhaltend vor, blieb dabei durch seine Lesart aber etwas
im Hintergrund. Mit mehr Betonung hätten seine bildreichen kunstvoll gereimten
Gedichte ihren Weg zum Publikum leichter gefunden.

Ohne
Einleitung legte Dorothea Hillemann aus Hildesheim ein ausdrucksstarkes Gemisch
aus kraftvoll-wütenden und zart-emotionalen Gedichten vor. Sicher und mit
klarer Stimme erreichte sie die nachdenklich lauschenden Gäste. Mit stark
zugespitzten Inhalten wühlte ein junges Prosatalent aus Hannover die Zuhörer
auf: Melania Anastasiadou. Bereits im Alter von 24 Jahren hat sie ihren ganz
eigenen Stil, bei dem die Hörer in einem gewaltigen Bilderstrom mitgerissen
werden. Die schnelle Lesart ist ihren Texten angepaßt, und die metaphorischen
Gedankenströme ihrer Figuren erfordern höchste Konzentration. Allerdings geriet
die Lesung für diese Ansprüche etwas lang.
Jens-Hendrik Grumbrecht ist der jüngste Autor: Neuartige
Darreichungsformen verbildlichen seine Gedichte, erweitern sie durch
Accessoires, transportieren sie mit unterschiedlichsten Gefühlslagen und traten
in wechselseitigen Kontakt mit den Zuhörern.
Im zweiten Teil des Abends zeigten sich Melania Anastasiadou,
Jens-Hendrik Grumbrecht und Mirco Buchwitz noch einmal auf ihre jeweils eigene
Art. Durch die Präsentationsmittel ergaben sich Spannung, Bewegung, Aktion und
Kommunikation mit dem Publikum.


Den
Abschluß bildete ein als „Dialog“ angekündigtes Duo-Ensemble mit Dorothea
Hillemann und ZaunköniG. Im unregelmäßigen Wechseln reagierten sie mit
Gedichten aufeinander. Einige davon blieben an der Oberfläche, andere, wie ein
Liedtext der jungen Autorin berührten tiefgreifend. Unklar war gelegentlich,
was die Texte miteinander zu tun hatten, ein Dialog war schwer erkennbar. Ganz
am Ende schwangen sich die beiden auf „Schmetterlingsflügeln in ein bewegtes
gelesenes Duett und rundeten die Veranstaltung auf diese Weise schwungvoll ab.
Ein gelungenes Ereignis der Initiative „Kontext“, das den Auftakt zur
Reihe „Schrift-Typen live“ bilden soll.
Als zweite Veranstaltung im April planen die Organisatoren ein
interdisziplinäres Ereignis aus Musik, Malerei und Literatur. Bleibt der gute
Rat, den nächsten Abend etwas kürzer zu gestalten.
ros
Aus der Haz, Anzeiger für Burgdorf und
Lehrte, 16.02.1999
Gedichte und Prosa über das Warten und den Zahnarzt
Junge Autoren lesen im Atelier
Klaffke
Lyrik ist unzeitgemäß: Nur wenige
Zuhörerinnen hatten sich mitten im Fasching die Zeit für eine Lesung genommen.
Stefan Heuer, Dirk Strauch und Sannah Rosalin Blue stellten im Atelier Klaffke
sehr unterschiedliche Arbeiten vor.
Heuer, der in der Jugendpflege der Stadt
Burgdorf arbeitet, hatte sich für eine Kurzgeschichte entschieden. Sein
Erzähler protokolliert im Vorbeigehen Beobachtungen und Begegnungen auf der
Straße und nimmt unwirklich erscheinende Dialoge wahr. Unversehens vergehen ihm
die Jahreszeiten. Auch einen Traum über einen Zahnarztbesuch und das eigene
Sterben beschreibt der Burgdorfer Autor in der für ihn typischen Distanz.
„Komisch, daß du immer krank wirst, wenn bei Opa im Garten was zu tun ist“,
meint seine Mutter im Traum, und die Zuhörer lachen.
Der anschließende Text, den Heuer und
ZaunköniG – im bürgerlichen Leben Dirk Strauch – gemeinsam vortragen, fordert
ihnen besonders viel Konzentration ab. Es geht um Züge und Wale, um Evolution
und Projektion. Der Sonettenkranz von Dirk Strauch enthält so viele
bedenkenswerte Sätze, daß man sie gerne noch einmal nachlesen würde.
Glücklicherweise hat der gebürtige Lehrter, der auch die Burgdorfer
Literaturzeitschrift „Vogelfrei“ herausgibt, einige Gedichtbände mit eigenen
arbeiten und Texten von schreibenden Kollegen mitgebracht. Vorerst lauschen die
Gäste versunken. Am Ende fügen sich Sätze wie „Es blieb nur Gewohnheit vom
Kult“ und „Ich drehe mich immer im Kreis“ zusammen mit Bildern wie „ein Topf
mit verblichenem Kreppsaum“.
Sannah Rosalin Blue liest ihre
komprimierte Lyrik lieber im Stehen und Gehen. Das Gedicht „Warten“, das sie
erstmals bei einer Lesung in der Justizvollzugsanstalt Hildesheim vorgetragen
hat, bekommt dadurch eine besondere Dynamik. Für einen Text mit dem Titel „Die
Wand“ wirft die Hildesheimer Studentin ein paar wilde Pinselstriche auf eine
vorbereitete Papierbahn. Im Hintergrund läuft ein Tonband mit Industrie- und
Verkehrslärm. Den mißglückten Annäherungsversuch eines schleimigen Verehrers
schildert sie in einer Kurzgeschichte mit überraschendem Ausgang.
In ihrer Unterschiedlichkeit ergänzten
sich die Arbeiten der drei Jung-Lyriker aus der Region. Bei ihrer nächsten
Lesung ist ihnen mehr Publikum zu wünschen. In Hildesheim haben Sannah Rosalin
Blue und andere Autoren ihre Texte in einem Bus vorgelesen. Vielleicht lassen
sich mehr Menschen auf Lyrik ein, wenn sie zu ihnen kommt.
Sabine Szameitat
Text aus: Vollmond, Juni 1999.
Ein Wort-Klang-Erlebnis auf
höchstem Niveau

Was die junge Literatur-Initiative KONTEXT gestern Abend in der
Bischofsmühle darstellte, braucht den Vergleich mit Weltstadt-Literaturveranstaltungen
nicht zu scheuen. Mit einer einfühlsamen, witzigen und zugleich professionellen
Moderation von Frank Wolf und seiner Überleitung zu Andreas Steinert, der den
Abend mit seinem Gitarrenspiel umrahmte, wurde den Gästen in der bis zum
letzten Platz besetzten Bischofsmühle klar, daß sie sich bei dieser
Veranstaltung auf einen Rundum-Wohlfühlabend eingelassen hatten.
Rosalin Blue (Susanne Fiessler)
begeisterte mit der szenischen Darstellung ihrer teils skurilen und
expressiven, teils auch gefühlsbetonten Gedichte. Als besonderes Experiment hat
sie sich an diesem Abend auch auf Prosa eingelassen, „ein Versuch, der sich
unbedingt wiederholen sollte.“ war die einhellige Meinung des Publikums!
Michael Demuth, ein junger Künstler, der
mit Sensibilität, feinem manchmal hintersinnigem Humor und durchklingender
Liebe zu Kindern sein Märchen über einen Kobold in hervorragender Weise
darstellte, bot der Veranstaltung einen nächsten Höhepunkt. Andreas Steinert
schloß sich mit seinen politisch-lyrischen Gedichten auf der Gitarre an und bot
damit das nächste Highlight, bevor das Publikum in eine durch rege Diskussion
und begeisterte Freude geprägte Pause entlassen wurde.

Mit exzellent inszenierten
Gedichten und hervorragender Darstellung zog Jürgen Witczak die Zuschauer
sogleich wieder in seinen Bann, und wer glaubte eine weitere Steigerung des
Hörgenusses sei nicht mehr möglich, sah sich DAN mit ihrer „Lyrik vom
Seziertisch“ gegenüber. Die junge Künstlerin, mit bundesweitem
Bekanntheitsgrad, als die Krönung des Abends zu bezeichnen, wäre allen
Darstellern gegenüber ungerecht, denn jeder auf seine Weise ist ein Künstler
auf höchstem Niveau. Das Publikum belohnte DAN mit tosendem Beifall. Der Maler
Cherubin fing die Stimmung des Abends mit seinen Bildern ein und rundete damit
den Kunstgenuß ab.
Für Licht und Fotografie zeichneten Petra
Malin Salisch und Klaus Seidel verantwortlich und rechtfertigten damit ihren
Anteil an dem rundum gelungenen Abend. Das erheiternde Zusammenspiel des
Tontechnikers Tobias Bosse mit den Akteuren darf nicht unerwähnt bleiben. Der
Zuschauer hatte den Eindruck einer miteinander trefflich harmonierenden Gruppe
junger Menschen. Ein riesiges Lob und Dankeschön an die Gruppe KONTEXT kam
seitens der Besucher zum Ausdruck, „wir hoffen auf mehr“ war der Tenor der
Veranstaltung.
Irene Thies
Text aus: HAZ – Anzeiger für
Burgdorf und Lehrte 27.05.1999
„Scena“-Literaturreihe: Christine Kappe las im Atelier
Klaffke aus ihrem Kurzroman „2A“

Einem grünen Pfeil konnten die Literaturfreunde von der
Bahnhof- in die Rolandstraße folgen, wo der „Scena“-Vorsitzende Matthias Schorr
persönlich die Gäste der Lesung in den Hinterhof und weiter über die Freitreppe
ins Atelier Klaffke führte. Doch zu oft mußte er die Stufen nicht nehmen.
Inklusive des gastgebenden Malers, der Autorin Christine Kappe und seiner
selbst waren es am Ende sieben Personen – genauso viele wie in „2A“, dem
romantisch-absurden Kurzroman der 28jährigen Hannoveranerin.
Für die, die sich aufgemacht hatten zu
lauschen, wurde die jüngste Auflage in der Literaturreihe des Kulurvereins
Scena „Wort am Sonntag“ trotzdem ein
großer Spaß. Mit viel Sinn für Humor und Skurriles, immer den absurdesten
Wortbezügen auf der Spur, hat Christine Kappe eine surreale, fast platonische
Siebenecks-Beziehungsgeschichte geschrieben.
Aus der Sicht der Erzählerin lernt man
sechs Männer kennen. Den Nachbarn zum Beispiel hinter seiner Fensterscheibe
vis-a-vis, dem sie selbst die Stimme gibt, um Gedanken mit ihm auszutauschen.
Oder Södan mit der glatten Haut, der aus dem Meer kommt, wo es am tiefsten ist:
„Die Fische in seinen meerblauen Augen fraßen sich gegenseitig die Köpfe ab.“
Und da zeiht sich die Ich-Erzählerin selbst der „Taktlosigkeit der Erinnerung.“ Am Ende verliert der Zuhörer den
Boden unter den Füßen, als sich die Frau als Erfindung ihrer sechs Männer zu erkennen
gibt.
„Surrealisten
sind meine großen Vorbilder“, verriet Christine Kappe nach dieser Lesung kein
Geheimnis mehr, Boris Vian sei ihr vielleicht der liebste unter ihnen. Der
Titel der Liebesgeschichte „2A“ ist die Bezeichnung einer der vielen möglichen
Variationen der verzwickten Beziehungen zwischen Handelnden.
Unterwegs in der Region durch
Buchgeschäfte, Cafes und Freizeitheime ist Christine Kappe zur Zeit auch mit
„Variationen der Stille“, einer szenischen Lesung mit Musik. Nach ihrem Germanistikstudium
und einem Literaturförderpreis der Stadt Leipzig hat sie sich mit Lesungen im
hannoverschen „Literarischen Salon“ sowie in der freien wie der etablierten
Theaterszene getummelt. Leben kann man davon nicht, siehe die bescheidene
Zuhörerkulisse in Burgdorf. Ihr Geld verdient die junge Frau ganz unliterarisch
in einer Druckerei.
mal
Aus der HAZ – Anzeiger für
Burgdorf und Lehrte vom 28.März 2000
Mythen-Mix zwischen Gott und Pac-Man, Marx und rosa Duracellhäschen


Erstmals
in den frühen Abendstunden, nicht am Vormittag wie bisher, fand am Sonntag eine
Lesung der Scena-Lesereihe, dem "Wort am Sonntag", statt. Bedingt
durch diese Tatsache, aber auch durch einen gewissen Bekanntheitsgrad, den sich
Mirco Buchwitz in den letzten Jahren durch zahlreiche Lesungen in der Region
erarbeitet hat, fanden immerhin gut zwanzig Literaturinteressierte den Weg ins
Burgdorfer Stadtmuseum, um den Geschichten des 25jährigen Hannoveraners zu
lauschen.
Und das Publikum sollte etwas geboten bekommen. Als "Mythenmix zwischen Marx und Pacman, zwischen Gott und rosa Plastikhäschen" war sein literarisches Schaffen angekündigt worden, und wer diese Ankündigungen für überzogen gehalten hatte, sollte schon bald eines Besseren belehrt werden. Aus dem Rücken der ZuhörerInnen erschien Buchwitz zum ersten Text, einem an einem Handy immitierten Dialog mit einem Freund, den er zunächst in überzeugtem Ton dazu aufforderte, sich mehr um globalpolitische Problematiken als um seine privaten Angelegenheiten zu kümmern, um bereits kurz darauf selbst in selbstmitleidige Aufarbeitung seines Privatlebens zu verfallen. Nachdem zum Entzücken des Publikums eine Tüte mit Schaumgummi-Erdbeeren durch die Reihen gegangen war, trat das rosa Plastikhäschen in Aktion, verwickelte den Hannoveraner in einen Dialog und überredete ihn zu einem Tausch, während dem der Erzähler nach und nach um ein Gliedmaß nach dem anderen gebracht wird, um sich schließlich selbst als Hase vor dem Badezimmerspiegel wiederzufinden. Eine skurille Geschichte folgt auf die nächste, wird präzise betont, gestenreich und ohne einen Blick auf ein Manuskript vorgetragen. Ein Grundtenor, ein roter Faden, an den sich der Autor zu halten versucht, ist nicht auszumachen. Die Männer in seinen Texten zeigen nur ungern ihre wahren Gefühle, persiflieren sich und das Machotum durch Aussprüche wie "Nein, nein, ich weine nicht. Das ist Angstschweiß, der mir aus den Augen rinnt." Erfrischend abwechslungsreich kombiniert er die spätachtziger Schmuddelshow "Tutti-Frutti" mit Naturlyrik von Hesse, philosophierend erzählt er von seinem intensivsten Naturerlebnis (als er einmal auf LSD an einen Baum urinierte), wobei er "der Versuchung zu widerstehen hat", sich dabei in die Wiesenlandschaft zu stellen, die als Dekoration zur momentan im Museum stattfindenden Aue-Ausstellung angelegt ist.
Auf
eine kurze Pause folgen zwei längere Texte, die Buchwitz, ungewohnt für seine
Zuhörerschaft und sich selbst, abliest. Beide Geschichten, eine von ihnen ein
Auszug aus einem geplanten Roman, sind etwas härter in ihrer Wortwahl,
geradliniger als die ersten Texte der Lesung. Aber auch damit kann er
überzeugen. Buchwitz ist sich seiner Sache sicher, sicher auch im Vortrag und
im Dialog mit seinem Publikum, das er an einigen Stellen mit einbezieht und
sogar dazu auffordert, ihn auf Handzeichen hin mit einem Seufzen zu begleiten.
Seit Jahren spielt und singt er in den verschiedensten Musikformationen, zur
Zeit bei der Gruppe "Spielstation", mit der er im Februar das
Veranstaltungszentrum "Silke Arp" in Hannover ausverkaufen konnte.
Nach eineinhalb
Stunden fand die Lesung in verdient langem Applaus ihr Ende, und ein wenig
schade war es dann auch noch - allerdings nur für diejenigen, die nicht zu der
Lesung gekommen waren.
Aus der
HAZ – Anzeiger für Burgdorf und Lehrte vom 17. Mai 2000
Never change a winning time. Dieser
aus dem Sportbereich entliehenen, etwas abgeänderten Weisheit folgend, hatten
die Organisatoren des Kulturvereins Scena nach der gut besuchten "Wort am
Sonntag"-Lesung im April, auch die Mai-Lesung der Veranstaltungsreihe in
die frühen Abendstunden gelegt. Dass eine angenehmere Uhrzeit und ein guter
Autor nicht zwangsläufig eine große Zuhörerschaft mit sich ziehen, blieb als
Erkenntnis, denn mit den Feierlichkeiten des Muttertages und hervorragendem
Biergartenwetter hatte die Veranstaltung eine starke Konkurrenz. Eine zu starke
Konkurrenz, wie sich herausstellen sollte, denn nur 5 Zuhörer lauschten den
Versen des Nigerianers am vergangenen Sonntag.

Dunu,
1961 im Tschad geboren, flüchtete als junger Erwachsener vor dem im Tschad
ausbrechenden Bürgerkrieg nach Nigeria. Dort studierte er deutsche, englische
und schwarzafrikanische Literatur. Nach erweitertem Studium und Promotion in
Deutschland kehrte er nach Nigeria zurück und lehrte Deutsch an der Universität
von Nsukka. Trotz längerer Auslands-Aufenthalte verlor er die politischen und
sozialen Mißstände in Nigeria, seinem "Heimatland", nie aus den
Augen. Schon früh engagierte sich Elias Dunu in der nigerianischen
Bürgerrechtsbewegung United Democratic Front of Nigeria (UDFN), deren Sprecher
er von 1997 bis 1999 in Deutschland war, und in deren Vorstand er noch heute
tätig ist.
Die
politische Motivation seiner Texte wird auch an diesem Abend schnell deutlich.
Zwar sind die Gedichte sensibel genug, dem Publikum die Mißstände seiner Heimat
nicht mit dem Holzhammer aufzuzeigen, die Problematik schwebt jedoch latent
über den Texten. Viele der Gedichte spiegeln die Hoffnung auf Veränderung
wider, rufen zum Kampf gegen Unterdrückung und Gewalt auf. In Dunus Worten:
"Sei nicht ein leiser Flötenspieler inmitten der Menge / Jedoch das unbezwingbare Heulen eines
Sandsturms". Aber Dunu kann auch anders, streut Liebesgedichte und
lyrische Beschreibungen seines Kontinentes ein.
Der seit neun Jahren in Hannover lebende
Autor liest in ausgezeichnetem Deutsch, sehr betont. Die vorgetragenen Gedichte
entstammen ausnahmslos seinen bisherigen beiden Lyrik-Publikationen, dem 1995
erschienenen, zweisprachigen Band "Inner Slums" (dtsch:
"Herznebel"), sowie dem 1998 veröffentlichten Buch "Naked
Landscape", für das er ein Jahr später den nigerianischen Lyrik-Preis
erhielt.
Nach gut 50 Minuten beendet der in
afrikanischem Gewand ("Ashuoke") gekleidete 38-jährige Autor den eigentlichen
Teil der Lesung, steht dann aber noch ausgiebig für Fragen zu seinen Texten, zu
seiner Person und zur aktuellen politischen Situation in seiner Heimat zur
Verfügung. Zurück bleibt die Erinnerung an einen gelungenen und informativen
Abend sowie die Hoffnung, dass das vielseitige literarische Scena-Programm bei
der nächsten Lesung im Stadtmuseum mit mehr Zuhörern belohnt wird.
Stefan Heuer
Text aus: HAZ-Anzeiger für Burgdorf und Lehrte. 9.7.2000

Die Tiefen der menschlichen Existenz
Burgdorfer Stadtmuseum: Scena-Lesung
mit Csilla Szyilagyi
Ein gutes Dutzend Zuhörer hatte sich auf der Galerie des Burgdorfer Stadtmuseums eingefunden, um bei der nunmehr zehnten Lesung der Scena-Reihe „Wort am Sonntag" zeitgenössische Literatur und deren Autoren kennen zu lernen. Für die erkrankte Lyrikerin Marianne Gaponenko war kurzfristig Csilla Syilagyi eingesprungen. Syilagyi ist 1965 als Rumänin deutsch-ungarischer Abstammung in Siebenbürger geboren, seit 15 Jahren lebt sie in Deutschland, in Göttingen hat sie Medizin studiert. Neben diesem Broterwerb widmet sie sich der lyrischen Seite des Lebens, übersetzt außerdem aus dem Rumänischen und Ungarischen. Vielschichtig beschäftigt sich die 35-Jährige in ihren durchweg ungereimten Gedichten mit der menschlichen Existenz, wobei es ihr hervorragend gelingt, mit wenigen Worten Stimmungen zu erzeugen. Es sind eigenartige Texte, mit denen sie ihre Leser- und Zuhörerschaft in die Tiefen des Lebens zieht. Sie selbst tritt dabei nicht ausschließlich als bloße Beobachterin auf, sondern kriecht in ihren Texten in fremde Häute ...
ich bin ein
teil der schlange, ein glied
ich krieche
mit dem
kalten bauch berühren wir
die
strecke, die zurückgelegte,
die uns
voranschiebt
oder wird zum Bestandteil eines natürlichen
Prozesses
heute
ergraute der groll
und die
trauben vergingen trocken
(...)
in den
nächsten jahren
trinkt man
gerne die Weisheit
meiner scham
ich bin der
wein.
Viele der
Gedichte erscheinen als unvollendete Gedanken, als Denkanstöße. Reich an
Metaphern wirft die Autorin in ihren Gedichten Fragen auf wie „Ist der
Tod des Alters anders als der Tod der Krankheit?" Daß sie
Antworten nicht anbietet, macht die Gedichte sympathisch und
letztendlich menschlich.
Vielmehr gibt sie eigene Ungewissheit preis: Ich weiß nicht, wie ich
sterben soll. Die meisten der an diesem Abend gelesenen Gedichte
entstammen ihrem Lyrikband „die zeit atmet", der 1996 bei der
hannoverschen Edition LiterArt erschienen ist und von Mehdi Parzivian, einem
38-jährigen Iraner mit Zeichnungen illustriert wurde. Weiterhin präsentierte
sie einige neue und bisher unveröffentlichte Texte sowie einige Gedichte, die
sie für die kürzlich in Hannover-Linden stattgefundene Ausstellung „Die vier
Elemente" geschrieben hat. Als Abschluss las Syilagyi den Monolog
eines Obdachlosen - Teil eines Kurzdramas, das eventuell bald für die Bühne
bearbeitet werden soll. Die „Wort am Sonntag''-Lesereihe geht nun in die
Sommerpause, die nächste Lesung im Stadtmuseum ist für den 8. Oktober
angeplant.
STEFAN
HEUER
Text aus: Haz-Anzeiger für Burgdorf und Lehrte, 6.3.2001

Souverän und
charmant mit einem ernsthaften Lachen
Außergewöhnliche Scena-Lesung mit Maarten Güppertz
begeisterte zahlreiche Zuhörer im Burgdorfer Stadtmuseum
Am vergangenen Sonntag war es soweit:
Erstmals unter neuem Namen „X-Libris – Literatur entdecken!“ hatte Scena, der
Kulturverein im VVV, zu einer weiteren Lesung ins Burgdorfer Stadtmuseum
eingeladen. Zu Gast war der Schauspieler und Lyriker Maarten Güppertz, 1949 in
den Niederlanden geboren, absolvierte von 1971-1977 sein Schauspielstudium an den
Hochschulen in Utrecht und Antwerpen. Als Mitglied der der amerikanischen
Theatergruppe „The players theatre of New England“ und des holländischen
Ensembles „Consigne 8“ spielte er in zahlreichen Ländern die
unterschiedlichsten Rollen, ehe er sich im Jahre 1983 dauerhaft in Deutschland
niederließ. Nach Engagements am Mühlheimer Theater an der Ruhr, in Nordhausen,
Basel und Zwickau spielt er zur Zeit am Stadttheater Hildesheim. Parallel zur
Shauspielerei widmet sich Maarten Güppertz der Lyrik.
Die Lesung in Burgdorf war erst seine fünfte überhaupt –
anzumerken war es ihm nicht. Spontan suchte er die Texte aus, die ihm
lesenswert erschienen. Souverän, sich der Wirkung seiner mit geringfügigem
Dialekt behafteten Stimme bewußt, brachte er Zeile um Zeile unter die
Zuhörerschaft. Ging zu schnell? Kein Problem! Güppertz hatte zu Beginn der
Lesung angeboten, seine Gedichte bei Bedarf auch mehrmals zu lesen, und von
diesem Luxus machte das Burgdorfer Publikum nur zu gerne Gebrauch. Wortgewaltig
und reich an Metaphern sind seine Texte, intelligent, aber nicht zu kopflastig.
Die Spanne reicht von autobiographischen Gedichten über die Kindheit in
Küstennähe bis hin zu Texten über Vergänglichkeit und die seelische
Beschaffenheit des Menschen.

Nebenbei outet sich der Autor als Ringelnatz-Kenner und
–Anhänger, und wie Ringelnatz würzt er viele seiner Gedichte mit einem Schuß
trockenen Humors. Während viele ausschließlich mit Lyrik gestalteten Lesungen
in einem literarischen Fiasko enden, weil die Zühörer nach spätestens fünf
Gedichten schlichtweg überfordert sind, meistert Güppertz dieses Problem ohne
jede Mühe. Immer wieder unterbricht er seinen Monolog und läßt sich auf Fragen
aus dem Publikum ein. Wie er denn auf seine Gedichte komme, in welchen
Situationen er denn schreibe. Der charmante Niederländer gibt bereitwillig
Auskunft.
Er erzählt über das Theater im Allgemeinen und seine
Erlebnisse im Besonderen, erweist sich als Mensch mit Ecken und Kanten,
phantasiert über die positive Naivität der Kindheit, zeigt sich politisch
informiert und engagiert. Mit einer Flasche „lyrischen Lebenssaftes“ und einem
warmen Applaus verabschiedete sich Burgdorf von einem eindrucksvollen Lyriker.
Stefan Heuer

Text aus: HAZ –
Anzeiger für Burgdorf und Lehrte
21.8.2001
Absurde Begegnung mit Helena
Lesung
der X-Libris-Reihe im Burgdorfer Stadtmuseum
Zur Wiederaufnahrne der Scena-Lesereihe
„X-Libris“ nach der Sommerpause hatte sich auf der Galerie des Burgdorfer
Stadtmuseums ein gutes Dutzend Literaturfreunde eingefunden, um den Worten der
1970 in Einbeck geborenen Christine Kappe zu lauschen. Die Autorin. die bereits
Veröffentlichungen in Zeitschriften und
Anthologien vorzuweisen hat. arbeitet nach ihrem Studium der Germanistik und
Geschichte als freiberufliche Schriftstellerin und Grafikerin. Bereits in der
Kurzprosa, die den ersten Teil der Lesung bildete, wurde die Thematik fast
aller gelesenen Texte deutlich: Kommunikationsstörungen. Die Autorin befördert
dieses Thema auf verschiedene gesellschaftliche und zeitliche Ebenen, schildert die Mißverständlichkeit
zwischen den Menschen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. So zum Beispiel aus
der Sicht eines Angestellten, der seine Mittagspause nicht im, sondern vor dem
Gebäude verbringt, und der sich aus diesem Grunde die immerfort gleichen Frage
gefallen lassen muß. Ob in „Der Ton" oder „Begegnung mit Helena":
Kontinuierlich schleichen sich lyrische Zwischentöne in Kappes grundsätzlich
ernste Prosa. Die Autorin läßt die komischen Momente, die sich beim
Kommunizieren ergeben können, außen vor fahndet lieber nach den Fehlern
zwischen Sender und Empfänger und wird schnell fündig.
Die Bruchstellen der Texte und die kleinen Pausen werden durch die
Cellistin Corinna Eikmeier mit Tönen gekittet, wie man sie nur selten zu hören
bekommt. Skurril anmutende Tonpassagen im breiten Spektrum von zart bis
kratzig-brutal. Nach einer kurzen Pause präsentierte die in Hannover lebende
Autorin einige Auszüge aus ihrem Theaterstück „Helena", das
voraussichtlich im Herbst 2002 uraufgeführt werden soll. Das Stück entbehrt
nicht einer gewissen Komik, ist in zahlreiche Szenen gegliedert, spielt an
verschiedenen Schauplätzen (New York. München, auf dem Olymp) und zu verschiedenen
Zeiten zwischen 2005 und 2040. Zwischen Nacktheit und Zigaretten entspannen
sich Dialoge über Lebensgewohnheiten und Seelenzustände. Es geht um
Freundschaft. Abstand und Nähe, und wenn es auch nicht immer leicht ist, den
komplexen Sinn des Werkes zu erfassen, so ist es doch auf jeden Fall
unterhaltsam. Sätze wie „Du hattest Erdbeeren in den Taschen, du hast sie
verloren. Jemand kann sie in
einen Briefkasten werfen, dann kommen sie zu dir zurück", sorgten
im Publikum für erstaunte Lacher und ein entspanntes Ende der Lesung.
STEFAN HEUER


„Zu
meiner Person gibt es nicht viel zu sagen.“ Mit diesen Worten begann der im
saarländischen St. Ingbert beheimatete Autor Ralf Harner seine Lesung im
Burgdorfer Stadtmuseum, zu der er auf Einladung des Kulturvereins Scena am
vergangenen Sonntag angetreten war. Dass diese Aussage nicht der Wahrheit
entsprach, ließ sich bereits bei einem kurzen Blick auf die Biographie des
43-jährigen erahnen. Der gebürtige Trierer verdingte sich nach einer Ausbildung
zum Erzieher für mehrere Jahre als freischaffender Schriftsteller, bevor er
1989 wieder in seinen erlernten Beruf zurückkehrte, der ihm „erfreulicherweise
genügend Zeit zum Schreiben“ ließ – über 1000 Gedichte, zahlreiche Prosatexte
und Theaterstücke sind dabei bis heute entstanden. Bereits 1984 gründete er
seinen eigenen Verlag, die Edition Thaleia, in der bis heute über 50 Einzel-
und Sammelbände erschienen sind. Immer wieder unterbrach er sein Leben in
Deutschland, um ausgedehnte Reisen, vornehmlich nach Island und Sibirien, zu
unternehmen. Eine Tatsache, die den Verlauf des Abends thematisch beherrschen
sollte.
Harner
fand den lyrischen Einstieg mit Texten, die er auf eine Reihe von Gemälden Paul
Cezannes geschrieben hat, ging dann auf Gedichte aus dem 1996 im
Empedokles-Verlag erschienenen Band „Zwischen Farben und Versen“ über, ein
Buch, das in enger Zusammenarbeit mit der Malerin Edith Steffen-Noll entstand.
Gegenseitig ließ man sich im Wechsel zu Wort oder Bild inspirieren. Entstanden
ist eine eindrucksvolle Korrespondenz zwischen Kunst und Literatur, die in weiteren
Bänden auch im Prosabereich fortgesetzt wurde. Der zweite Block der Lesung war
Island gewidmet, dem „Land der Elfen und Trolle“. In bisher noch
unveröffentlichten Prosaminiaturen spürte Harner dem Gefühl des nördlichen
Inselstaates nach: Moos und Vulkane, Trolle und Geysire, allesamt verwoben in
kleine Geschichten um Mythologie und Naturerscheinungen. Mit einigen poetischen
Sätzen fasst der Autor sein Interesse und seine Liebe zu diesem Land zusammen:
„Aschestürme und eine unwirkliche Stille, wie ich sie bisher nur dort erlebt
habe. Dieses Land, ein unbekanntes Zwitterwesen, gebiert sich selbst zu Tode.“
Harner bekennt sich zur traditionellen Dichtung, sucht teilweise auch das
strenge Versmaß. Dass er sich dennoch auch auf weltpolitischen Realismus versteht,
demonstrierte er mit einer augenzwinkernden Hommage an den deutschen
Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki. In einer Adaption des „Literarischen
Quartetts“ lässt er Reich-Ranicki Sätze wie „Ein Schriftsteller muss leiden!“
oder „Und wo er nicht leidet, muss er zumindest Probleme bearbeiten!“ sagen.
Seinen „humoresken Beitrag zur Moderne“ sieht er in der „Anprangerung von
Betroffenheitslyrik und dem Aufruf zum fairen und realistischen Umgang mit
Vergangenheit und Gegenwart.“ Und auch die sogenannte Avantgarde bekam ihr Fett
weg: „Nicht alles, was man nicht versteht, muss Kunst sein!“
Nach
der Pause fand seine zweite geographische Liebe ausgiebige Erwähnung. Unter
Zuhilfenahme gleich zweier Bücher, „Haus mit den geborstenen Wänden“ und
„Sibirische Seele“, verbreitete Ralf Harner die karge Atmosphäre, die er selbst
bei seiner mehrmaligen Bereisung der unendlichen Tundra-Weiten erfahren hat.
Die Tatsache, dass er „Sibirische Seelen“ bereits vollendet hatte, bevor er zum
ersten Mal in Sibirien gewesen war, erinnert an den Sachsen Karl May und dessen
Erzählungen über das ihm unbekannte Nordamerika. Zum Abschluss der Lesung
beschrieb Harner mittels einiger kurzer Prosatexte seine „Unfähigkeit, nach den
Erlebnissen zwischen Reykjavík und Wladiwostok in Deutschland wieder eine
Heimat zu finden“.
Nach
Beendigung der eigentlichen Lesung stand der Weitgereiste dem übersichtlichen
Publikum noch für Fragen zur Verfügung. Und auch auf die Frage eines Zuhörers,
warum denn so viele der vorgetragenen Texte vom Tode handeln würden, fand der
sympathische Autor eine lyrische Antwort: „Wir werden halt alle mit einem
kleinen Tod geboren.“ Ein schönes Schlusswort.
Text aus: Haz, Anzeiger
für Burgdorf und Lehrte vom 5.3.2002
Auf der Suche nach Sinn
„Wir taten
es, und der Griff nach dem Geldschein war die zärtlichste Geste, die ich für
sie hatte“ – wer die Lesung des Hannoveraners Kersten Flenter im Burgdorfer
Stadtmuseum besuchte, den erwarteten keine zarten Lyrik-Gebilde. Flenter, der
sich im subkulturellen Literaturbetrieb einen Namen gemacht hat, ist bekannt
für seine lebensnahen und schnörkellosen Schilderungen.
Am Sonntag
las er aus seiner beim Killroy Media Verlag erschienenen Erzählung
„Junkie-Ufer“, einer Milieustudie mit autobiographischen Einflüssen. Schauplatz
der Geschichte ist Hannovers Stadtteil Linden, in dem der Mittdreißiger seit
vielen Jahren wohnt und die Straßen und ihre Bewohner studiert. Nicht selten
wurde er dabei mit den Ecken und Kanten des Lebens konfrontiert, um die, die
Heile-Welt-Soaps im Vorabendprogramm einen Bogen machen. Die Protagonisten des
„Junkie-Ufers“ sind gescheiterte Existenzen. Da gibt es Luna, schwanger und
drogenabhängig, außerdem Rita, eine Alte, die sich von Obst ernährt, welches
sie nach dem Markttag vom Asphalt klaubt. Weitere Personen tauchen auf:
Pfandflaschensucher, Säufer, Kioskbesitzer und Prostituierte. Sie alle bilden
einen Kosmos, sind auf der Suche nach dem Sinn des Lebens – jenseits der
Betäubung. So düster das Bild sein mag, das der Autor vom Leben zeichnet: stets
bindet er die Ereignisse mit der ihm eigenen Art von Humor, mit dem er seine
Figuren am Leben hält und sie durch Kapitel wie „Das Waisenhaus für ausgesetzte
Träume“ begleitet.
Zwei
Dutzend Zuhörer hingen förmlich an Flenters Lippen. Der 35-jährige dürfte seine
regionale Anhängerschaft vergrößert haben.
Stefan
Heuer
Text aus: HAZ, Anzeiger für Burgdorf und Lehrte vom 23. 04. 2004
Musikalisch-literarischer Dialog
Scena-Bonbon für Mutige
Lyrik oder
Poesie und Akkordeon – kann das zusammenpassen? wer Zweifel hatte, konnte sich
am Mittwoch eines Besseren belehren lassen. Die Springer Autorin und
Rezitatatorin Barbara Macherius (59) und die Hannoversche akkordeonistin
Tatjana Bulava (39) nahmen ihr Publikum mit einem musikalisch-literarischen
Dialog gefangen und zwar „Wechselweise“, wie ihr Programm heißt. Eingeladen
hatte der Kulturverein
Scena im
VVV.
Alltägliches ist das, was die über Hannover
hinaus bekannte Wortkünstlerin Macherius mit ihren Gedichten und erzählungen
aufgreift. Sie macht die Masken, mit denen wir uns umgeben zum Thema, den
Nutzen des Eigensinns oder den ersten Hautkontakt der Verliebten. All das
erobert sie meist frei rezitierend mit spielerischer Sprache. In stets
verständlicher aber nie simpler Wortwahl lotet sie die Begebenheiten mal
nachdenklich, mal tiefsinnig oderauch ironisch aus.
Mit dem „Bajan“ genannten Knopfinstrument
untermalt Bulava das Gesprochene souverän mit passenden Klangfarben. Mal
verstärkt die gebürtige Ukrainerin die Worte musikalisch quasi als
Resonanzkörper. Dann breitet sie interpretierend Maherius’ heitere oder
nachdenkliche Worte mit atemberaubender Fingerfertigkeit weiter aus oder setzt
musikalisch Kontraste. Bulava bedient sich dafür frei in der Musikgeschichte
mit Anklängen an Bach, Chopin, Liszt bis hin zu Duke Ellington. Zunächst gibt
Macherius den Ton an und die Musik antwortet. Im zweiten Teil ist der
Variationsreichtum der modernen JazzStücke von Wladimir Zubitzkij das Leitmotiv
und die Autorin antwortet mit eher melancholischen Motiven.
Alles in allem ein Scena-Bionbon für
Zuhörer, die offene Ohren für neue Hör- und Klangeindrücke haben, ein Abend,
der mehr Aufmerksamkeit als die von 20 Zuhörern verdient hätte. Die jedoch
applaudierten reichlich.
Stefan
Heinze